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143 - ZINE 12: Die Zukunft der Diskmags (.de)

on Mon 05 May 2008 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

comments: 0 hits: 1681

Die Veröffentlichung von ZINE 12 hat für mächtig Aufsehen gesorgt. Toll recherchierte und geschriebene Artikel, ein stylisches Interface und viele neue Ideen haben frischen Wind in die Diskmag-Szene gebracht. Vor allem aber löst sich Zine vom oftmals engstirnigen Denken der Demoszene und möchte ein möglichst breites Publikum ansprechen, anstatt nur im Underground zu bleiben. Wir sprachen mit Axel / Brainstorm, dem Kopf des Zine-Teams, über die Wiederbelebung des legendären Diskmags, alte Zeiten und Zukunftspläne.


4Sceners: Hallo Axel! Erzähl doch mal ein bisschen über dich.

Axel: Na du bist gut. Ein Lebenslauf ist wohl nicht so spannend. Ich kam 1990 zu Brainstorm und habe ab diesem Jahr dann auch für ZINE geschrieben und die Musik ab Ausgabe 9 gemacht. Nach 1994 hab ich die Szene nicht mehr groß verfolgt und habe erst 2004 wieder Interesse daran gehabt. Mittlerweile bin ich 32 Jahre alt, verheiratet und werde Ende November Vater. Wie doch die Zeit vergeht...


Modern und stylisch: Nicht nur bei der Bedienung beschreitet Zine 12 neue Wege.


4Sceners: 16 Jahre sind seit der letzten Ausgabe des Diskmags ZINE vergangen, das damals noch für den Commodore Amiga erschien. Was steckt hinter der durchaus überraschenden Wiederbelebung und wie kam es dazu?

Ich war die letzten acht Jahre in der Games-Branche als freischaffender Journalist für zahlreiche Verlage in Amerika, England, Italien, Schweden, Deutschland und der Schweiz tätig. In diesem Job bin ich halt immer wieder über Leute gestolpert, die ihre Wurzeln in der Demoszene haben. Das führte zu ganz amüsanten Situationen, welche mich immer wieder in humorvoller Weise an die Demoszene erinnerten. Eines Tages wollte ich's wirklich wissen und habe mich langsam wieder in die Demoszene "eingearbeitet": Demos angeschaut, mit Leuten gesprochen, usw. Diese Erfahrung war so überraschend positiv, dass ich mich genauer damit beschäftigte, was schlussendlich in der Neuformierung von Brainstorm resultierte. Über die Jahre hab ich immer mit einer Neuauflage von ZINE geliebäugelt, da ich ja eben im Laufe der Jahre einige journalistische Erfahrung gesammelt hatte. Das hat mich wirklich unaufhörlich in den Fingern gekribbelt, zumal ich mit dem Ende von ZINE im Jahre 1991 überaus unglücklich war und ich darauf keinen Einfluss hatte. Der Gedanke hat sich dann verfestigt, zumal ich die richtigen Leute gefunden hatte, die das Projekt mit mir stemmen konnten, gerade auch was die Programmierung betrifft.

4Sceners: Welchen Leserkreis wollt ihr erreichen?

Mit unseren Inhalten glauben wir, ein weites Publikum ansprechen zu können. Das sind zum einen die Demoszene selbst und zum anderen ein durchwegs verwandtes Publikum, wie z.B. Spielentwickler oder digitale Künstler. So werden wir ganz bewusst ZINE auch außerhalb der Szene pushen.

4Sceners: Plant ihr ZINE noch in anderen Formaten außer für Windows zu veröffentlichen?

Ja, in Kürze erscheint auch die Online Version auf http://zine.bitfellas.org, wo man beispielsweise Artikel kommentieren kann.

4Sceners: Wie steht es mit Versionen für Mac OS X oder Linux, um vielleicht eine größere Leserschar zu erreichen?

Dran gedacht haben wir, ja, aber es ist für uns im Moment nicht umsetzbar. Priorität 1 war, ZINE fertig zu stellen und in einem regelmäßigen Zeitraum zu veröffentlichen. Konvertierungen für andere Plattformen müssten von zusätzlichen Leuten gemacht werden. Vielleicht findet sich ja jemand, der Interesse hätte, das zu machen.

4Sceners: Was versprecht ihr euch von der neuesten Ausgabe? Welche Ziele habt ihr?

Ehrlich gesagt haben wir durchaus hohe Ziele mit ZINE. Wir versprechen uns von ZINE 12, dass es eine Messlatte für Inhalt wird. Da ich lange journalistisch tätig war, habe ich in diesem Bereich hohe Ansprüche. So haben wir beispielsweise auch mehrere Artikel für ZINE 12 abgelehnt, weil sie einfach nicht unsere Qualitätsansprüche erfüllt haben. Das wird auch für weitere Ausgaben gelten. Es muss jedoch nicht alles perfekt sein, denn schlussendlich ist es immer noch schlicht und einfach ein Hobby für uns alle - da darf der Humor nicht auf der Strecke bleiben.

4Sceners: Die Diskmag-Szene ist nahezu ausgestorben. Auf dem PC gibt es quasi nur noch die Magazine Pain und Hugi, die vielleicht einmal pro Jahr erscheinen. Auf dem Amiga sieht es mit Cows'n Snakefight oder Jurassic Pack nicht besser aus. Was sind deiner Meinung nach die Gründe für diesen Niedergang und wie kann man diesem entgegenwirken?

Die Antwort ist einfach: Inhalt, Inhalt, Inhalt. Wir haben weiß Gott genügend Inhalte in der Szene, doch muss man daraus interessante Geschichten stricken. Die meisten Magazine heutzutage sind schlicht und einfach faul geworden, bzw. deren Autoren. Gute Geschichten benötigen Ausdauer, und das haben viele Autoren nicht. Wir haben bei ZINE beispielsweise Stories, die sind nicht ellenlang, doch benötigten Autoren teilweise mehrere Monate, bis die Geschichte im Kasten war. Je älter die Plattform, desto kleiner ist fast die dazugehörige Szene. Und wenn ein Amiga-Magazin knapp 50 Leser hinkriegt, steht irgendwann der Aufwand in keinem Verhältnis mehr. Das ist ganz logisch.

Der "Niedergang" von Magazinen während der letzten 15 Jahre ist eine logische Konsequenz wenn man sich anschaut, was die Magazine (mit wenigen Ausnahmen) in den letzten Jahren fabriziert haben. Die Qualität der Artikel nahm ab, die Verspätungen und die Unzuverlässigkeit nahmen zu. Erscheint ein Magazin nur einmal im Jahr, verliert es seine Existenzgrundlage. Rubriken wie "News aus der Szene" sind im Zeitalter des Internets eh hinfällig. Magazine haben es in den letzten 10 Jahren versäumt, sich weiterzuentwickeln und die neuen Möglichkeiten zu nutzen.


Axel (links), Chefredakteur von ZINE, hat sich viele Legenden mit ins Boot geholt. Das Titelbild von ZINE 12 stammt beispielsweise von Facet!


4Sceners: Wie wollt ihr euch von anderen Diskmags abheben? Was macht das neue ZINE so außergewöhnlich?

Primär der Inhalt. Zweitens glauben wir zumindest, dass wir auch in Sachen Optik einige neue Wege beschreiten und so dem Leser etwas Neues bieten. Und wir werden immer spezielle Gäste haben, mit denen vielleicht niemand rechnet.

4Sceners: Ist vom alten Editoren-Team noch jemand mit an Bord?

Außer mir nicht, nein. Doch konnte ich mit Bent "Gloom" Stamnes einen erfahrenen Mann gewinnen, der die gleiche Wellenlänge hat und somit ZINE sehr helfen wird. Er ist beispielsweise auch für die PR von Scene.org zuständig und organisiert die Solskogen und Kindergarden Parties.

4Sceners: Im kürzlich veröffentlichten Werbe-Intro zu ZINE #12 knallt ihr uns einige hochinteressante Schlagzeilen um die Ohren. Die Creme de la Creme der Demoszene plaudert für euch aus dem Nähkästchen, außerdem holt ihr so manche Szenelegende an die Tastatur zurück, etwa Grafik-Guru Facet. Wie habt ihr es geschafft, so viele bekannte Leute für euer Revival zu gewinnen?

Gute Frage. Ich habe mir eigentlich von Anfang an nix vorgemacht. Es war klar, dass uns die heutige Szene nicht kennt und wir den Ruf von ZINE quasi neu aufbauen müssen. Ich habe dann den Leuten gesagt, was ich vorhabe und wie ich mir das Magazin vorstelle. Sobald man aber mal einen oder zwei große Namen an Bord hat, ziehen sehr viele nach und fangen an, an das Projekt zu glauben. Dieser Schneeballeffekt hat sich immer weiter entwickelt. Hilfreich war vielleicht auch, dass viele der aktuellen Topgruppen mit den heutigen "Diskmags" unzufrieden sind und in diesem Bereich mehr Potenzial sehen.

"99% der kreativen Demomacher, mit denen ich gesprochen habe, möchten, dass sich die Demoszene auch an externe Leute richtet und für diese zugänglich wird." (Axel)
4Sceners: Der Großteil der Texte beschäftigt sich naturgemäß mit der Demoszene. Doch sprecht ihr ebenso mit Leuten aus der Spielebranche, etwa Purple Motion oder einem Spielejournalisten. Führt das nicht automatisch zu Konflikten? Viele Szener sehen es nicht gerne, wenn die Demoszene und die Spielebranche miteinander verschmelzen.

Das ist noch ganz interessant. 99% der kreativen Demomacher, mit denen ich gesprochen habe, möchten, dass sich die Demoszene auch an externe Leute richtet und für diese zugänglich wird. Ein breiteres Publikum ist erwünscht, von Gruppen wie ASD über Fairlight bis hin zu Conspiracy oder Synesthetics. Jede dieser Gruppen möchte rausgehen und ihre Produktionen an Festivals zeigen, und so weiter. Zu Konflikten innerhalb von ZINE führt dies also nicht, denn wir verfolgen das gleiche Ziel. Es gibt jedoch Leute, welche die "Öffnung der Szene" nicht toll finden, doch kenne ich die Gründe für die gewünschte künstliche Verschließung der Szene dieser Leute nicht. Vielleicht befürchten einige, dass sich dann zu viele Leute in etwas einmischen, dass sie nicht kennen.

4Sceners: Wird es eine 13. Ausgabe von ZINE geben?

Ja!

4Sceners: Welchen Veröffentlichungszeitraum habt ihr für kommende Ausgaben vor Augen?

Ich denke eine regelmäßige Erscheinungsweise ist enorm wichtig. Wir versuchen, ZINE vierteljährlich zu veröffentlichen, vorausgesetzt wir erhalten auch etwas Unterstützung aus der Szene. Ich persönlich habe lieber vierteljährlich ein Magazin mit weniger Artikeln, als einmal im Jahr ein extrem umfangreiches. Der konstante Dialog ist wichtig.

4Sceners: Was treibst du eigentlich neben deiner Computertätigkeit?

Ich koche gerne, mache nach wie vor noch etwas Musik und arbeite im Marketing bei einer Bank. Im Moment ist aber Brainstorm mein Haupthobby. Ende November werde ich Vater, daher muss ich die Zeit jetzt noch nutzen.

4Sceners: Irgendwelche letzten Worte?

Ich hoffe, dass der eine oder andere Gefallen an ZINE findet, auch wenn man sich ein bisschen an die Menüs gewöhnen muss. Ich würde mich über Feedback und Anregungen sehr freuen. Wir sind unter -email- erreichbar.

4Sceners: Axel, danke für das Gespräch!

Ich danke euch für das Interview.

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