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123 - Immortal 3: Audio-CD Review (.de)

on Tue 20 May 2008 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

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Soundtrack-CDs zu Videospielen sind längst keine Modeerscheinung mehr. Shops wie Synsoniq haben sich hierzulande längst etabliert und bringen den begehrten Akustikschmaus unters Volk, so auch den Sampler Immortal 3. Auf zwei CDs enthält dieser fantastische Musik in modernen, aufwändig produzierten Versionen aus fast drei Dutzend Amiga-Spielen, darunter unvergessliche Klassiker wie Turrican 2, Agony, Pinball Dreams, Ambermoon oder Speedball 2. Welch fantastischer Hörgenuss euch erwartet, welche Überraschungen dieses Album birgt und in welchem Zusammenhang es mit der Demoszene steht, wollen wir euch näher erläutern.


Aufwändiger, komplexer und wesentlich facettenreicher ist Musik für Computerspiele inzwischen geworden. Pompöse Arrangements wechseln sich mit ruhigen Passagen ab, müssen dabei die jeweilige Spielsituation perfekt untermalen. Kaum ein Spiel kommt heutzutage ohne wuchtige Orchestermusik oder einem lizenzierten Soundtrack aus. Doch hat die musikalische Begleitung im XXL-Hollywood-Format auch einen Nachteil: sie ist austauschbar geworden. Die Musik eines Call of Duty 2 könnte ohne weiteres auch in jedem beliebig anderen Kriegsspiel eingesetzt werden. Nicht mehr aus dem Kopf wollende Melodien sind rar geworden.

Ansammlung der Stars
Vor etwas mehr als 15 Jahren sah dies noch gänzlich anders aus. Zu Zeiten des 16-bit Computers Amiga produzierten Musikkünstler wie Chris Hülsbeck, Richard Joseph, Jason Page und viele andere reihenweise Ohrwürmer, die nicht nur ihnen selbst, sondern auch den dazugehörigen Spielen unvergesslichen Kultstatus einbrachten. Oft summte man die Melodien daraus tagelang nach oder kaufte eine Neuerscheinung nur deswegen, weil der Lieblingsmusiker daran beteiligt war. Der kürzlich erschienene Sampler Immortal 3 katapultiert nun die Klangorgien der Vergangenheit in die Moderne. Zu 35, teils unvergesslichen Amiga-Spielen finden sich die dazugehörigen Soundtracks in deutlich aufpoliertem Gewand auf den beiden CDs. Zum größten Teil neu abgemischt und arrangiert von den Originalkomponisten! Denn Produzent Jan Zottmann hat sie fast alle zurück ins Studio geholt. Nicht nur die drei vorher genannten, auch ein Olof Gustafsson, Allister Brimble, Tim Wright oder gar Jochen Hippel geben sich hier ein Stelldichein.


Das Cover-Artwork von Immortal 3 ist im Stil der
Amiga-Spieleverpackungen von Psygnosis gehalten.


Silberscheibe Nr. 1
Bereits die erste der beiden Audio-CDs beginnt mit einem Paukenschlag. Chris Hülsbecks Apidya Suite zelebriert ein klanggewaltiges Hörspiel, dessen Bann sich niemand entziehen kann. Eingespielt von einem echten Orchester, das an jeder Stelle das nötige Gefühl walten lässt, vermittelt dieses Meisterwerk eine sensationelle Atmosphäre und stimmt perfekt auf die nachfolgenden Titel ein. Ebenso grandios ist der Medley zu Pinball Dreams ausgefallen, dem sich Olof Gustafsson persönlich gewidmet hat. Kenner der Orignalversion finden viele bekannte Elemente und Samples wieder, die jedoch gehörig aufgewertet wurden und nun wesentlich moderner klingen. Hülsbeck selbst setzt mit seiner Musik aus dem zweiten und dritten Turrican weitere Akzente. Diese sind zwar bereits auf seiner brillanten Turrican-Soundtrack-CD, bzw. einem anderen Sampler zu finden und man durfte annehmen, dass sie kaum noch besser inszeniert werden können, doch wiederum hat es der Maestro geschafft den Stücken eine besondere Note zu verleihen.

Relativ unverändert, aber nach wie vor grandios, klingt das Titelthemen aus Agony, das mit seinen wundervollen Pianoklängen verzaubert. Andere hingegen erkennt man beim ersten Hören kaum wieder. Darunter fällt beispielsweise Ghouls'n Ghosts, das in jedem Irish Pub für prächtige Stimmung sorgen würde. Auch das Castlekeep-Thema aus Defender of the Crown, bei dem Jim Cuomo selbst die Woodwinds spielt, ist mit seiner jazzigen Neuinterpretation eines der ungewöhnlichsten, hierauf enthaltenen Stücke, klingt jedoch stark gewöhnungsbedürftig.
Immortal 3 gönnt sich leider auch die ein oder andere Schwächephase. So fehlt dem Remix zum Bitmap-Brothers-Klassiker Gods etwas Pepp. Vor allem die Vocals wirken viel zu soft - ein aggressiveres Organ und vor allem kräftigere Beats hätten hier Wunder gewirkt. Ein echter Ohrwurm war auch die Titelmusik zu Disposable Hero noch nie, da eine durchgehende Melodie fehlt. Der Remix selbst klingt demnach ebenfalls mehr nach Technikspielerei als echter Musik, hat aber dennoch ein paar atmosphärische Momente aufzuweisen. Ebenso erstaunt ist man beim Remix zu Fire & Ice, dem nicht nur Cool Coyotes lustiges Bellen fehlt, sondern der deutlich schwächer als die Originalversion vom Amiga 500 klingt!

Zu den wirklichen Überraschungen zählen die Pianoversion von Ambermoon, eingespielt von Matthias Steinwachs persönlich, sowie Mike Clarkes Theatre of War, ein eher unbekannter Vertreter im Klangparadies des Amigas. In die letztgenannte Sparte gesellt sich auch der Soundtrack aus Death Mask, eines der variantenreichsten, aber auch besten Stücke dieses Samplers. Ebenfalls noch auf der ersten CD enthalten sind durchaus hörenswerte Remixe aus Alien Breed, The Chaos Engine, Aquaventura, Lotus 3 und The Plague, die allesamt recht gut klingen.

Silberscheibe Nr. 2
Mit zwei Stücken ist Jochen Hippel auf der zweiten CD vertreten. Er gilt neben Chris Hülsbeck als bester deutscher Spielemusiker, hat der Branche jedoch bereits 1992 den Rücken gekehrt. Nach seinem überraschenden Comeback auf Immortal 2 mit Lethal Xcess widmete er sich für das dritte Immortal-Album nun seinem Meisterwerk, dem Soundtrack zum Shoot'em Up Wings of Death. Seine Aneinanderreihung einiger der besten Stücke aus diesem Spiel ist sehr nah am Original gehalten und geht mit den ersten Takten sofort ins Ohr. Fröhliches Mitpfeifen ist garantiert! Technisch gesehen mag dieser Medley vielleicht etwas schwachbrüstig klingen, Hippels Melodien zählen aber nach wie vor zu den Besten aller Zeiten. Die Titelmusik aus Amberstar ist sein zweites Werk. Mit seiner langsamen, gefühlvollen Art ließ dieses Stück schon bei seiner Uraufführung im Jahr 1992 die Vorfreude auf das bevorstehende Rollenspielepos wachsen und entfaltete nach gut fünf Minuten seine volle Atmosphäre. Dann nämlich war der musikalische Höhepunkt erreicht und der Zuhörer wurde von einer melodischen Passage verwöhnt, deren Harmonie und Gefühlsintensität selbst die wunderschönen Anfangsminuten vergessen ließen. Leider fehlt genau dieser Teil beim Remix, der ansonsten aber wirklich gelungen ist.

Genauso überraschend wie Jim Cuomos Mitwirken auf der ersten CD taucht auch auf der zweiten Scheibe ein Musiker auf, von dem man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört hat: Darius Zendeh. Er schrieb damals die Musik für den Ballerklassiker Katakis und mischte dieses Stück für Immortal 3 neu ab. Als zeitloser Klassiker ist der Remix allerdings genauso wenig anzusehen, wie das dazugehörige Original. Auch sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm die Heavey-Metal-Version von Speedball 2 zusagt. Allgemein ist zu bemerken, dass die auf der zweiten CD enthaltenen Stücke deutlich Gitarrenlastiger ausgefallen sind. So heulen auch bei Cardiaxx die E-Gitarren, bei Leander geht es gelegentlich rockiger zu, während in No Second Prize der Funk regiert. Barry Leitchs Super Cars 2 klingt zum Teil so, als ob Bob Marley seine Finger im Spiel hatte und auch hier hängt es vom persönlichen Musikgeschmack ab, ob der Funke überspringt.

Der vielleicht beste Song des zweiten Silberlings, wenn nicht sogar des gesamten Albums, stammt von Olof Gustafsson. Mit Pinball Fantasies zelebriert der Schwede ein elektronisches Hörspiel der Extraklasse, mit wuchtigen Beats, topmodernen Elektrosamples, vermischt es geschickt mit typischem Amiga-Sound und verliert dabei niemals das Gespür für die Melodie. Atmosphärisch dichte Momente erreicht die zweite Scheibe durch Tim Wrights Shadow of the Beast 2, während die Musik aus Uridium 2, Overdrive, Obsession Pinball und auch der Ork-Soundtrack von Tim Bartlett nur in die gehobene Mittelklasse einzuordnen sind. Für Fans der härteren Gangart ist mit dem technoiden Elfmania auch ein Vertreter vorhanden, während die kindlich angehauchten Stücke aus Brat und Trolls sicherlich nicht zu jeder Stimmungslage passen.

Fazit
Obwohl sich die Musiker auf der zweiten CD die eine oder andere Auszeit nehmen, ist Immortal 3 ein Pflichtkauf für alle Liebhaber von Spielesoundtracks. Man muss die Originalstücke nicht unbedingt kennen, um die Detailverliebtheit und Besessenheit zu erkennen, mit welcher die einzelnen Künstler ans Werk gegangen sind, da in den meisten Tracks zeitlos geniale Melodien stecken. Außerdem ist Immortal 3 anders als viele zuvor erschienene Alben mit Retro-Remixes, da hier überwiegend die Original Musiker selbst Hand angelegt haben und es sich nicht um irgendwelche Fan-Remixe handelt. Lobenswert ist auch die künstlerische Gestaltung des Booklets. Das orientiert sich am grafischen Stil des Fantasy-Künstlers Roger Dean, der früher fast alle Spieleverpackungen von Psygnosis gestaltet hat.

Bezug: Synsoniq Records
Preis: 24,95 Euro
Internet: http://www.amiga-immortal.com



Info: Immortal 3 und die Demoszene
Viele an diesem Sampler beteiligte Musiker haben ihre ersten musikalischen Gehversuche in der Demoszene gemacht, bevor sie ins Spielebusiness einstiegen. Einer der bekanntesten von ihnen ist Olof 'Blaizer' Gustafsson, der bei Digital Illusions den Taktstock schwingt und auch heute noch in der Demoszene aktiv ist. Die Soundtracks für die letzten drei Amiga-Demos von The Black Lotus (Silkcut, Requiem, Starstruck) stammen von ihm. Ebenso tief sind Matthew '4-mat' Simmonds, Bjorn 'Dr. Awesome' Lynne, Aleksi 'Heatbeat' Eeben mit dieser Untergrundszene verwurzelt. Jochen 'Mad Max' Hippel war hingegen überwiegend in der Atari-Szene aktiv. Auch unser Welcome to 4Sceners.de-Musiker Fabian Del Priore hat an diesem Projekt mitgewirkt. Von ihm stammen die Remixe zu Gods und Lotus 3.


Info: Die Vorgänger-CDs
Unter der Führung von Ruben Monteiro erschien 1999 die erste Immortal-CD. Monteiro, damals einer der wenigen noch aktiven Musiker im dahinsiechenden Amiga-Spielemarkt, nutzte die Gelegenheit um seine neu abgemischten Versionen des Soundtracks zu Shadow of the Beast zu veröffentlichen. Ergänzt wurde das Angebot mit Sounds aus damals aktuellen, aber nicht unbedingt hochklassigen Titeln wie Gunbee-F99 oder The Final Odyssey. Mit zwei Stücken von Barry Leitch (Harlequin, Utopia), einem Bonus-Track zu Alien Breed 3D und Monteiros Version des Turrican-Themas war der Start zwar gelungen, wirkt aus heutiger Sicht und Klangtechnisch trotzdem leicht antiquiert.
Bei Immortal 2 schwang bereits Jan Zottmann das Zepter und verlieh der Serie einen wesentlich professionelleren Charakter. Er war es auch, der im neuen Jahrtausend etwa einen Ron Klaren oder Jochen Hippel reaktivierte. Ihre modernen Interpretationen von Battle Squadron und Lethal Xcess sind zugleich Höhepunkte dieses Samplers, an denen es hier sowieso nicht krankt. Dafür bürgen auch Titel wie X-Out, Lionheart, SWIV oder James Pond, letzteres in einem sensationell ungewöhnlichem Arrangement!

Trackliste
CD1:
01. Apidya "Suite" (Hülsbeck)
02. Gods "Into the Wonderful" (Nation 12)
03. Theatre of Death (Clarke)
04. Ghouls'n Ghosts (Follin)
05. Turrican 2 (Hülsbeck)
06. Turrican 3 (Hülsbeck)
07. Fire and Ice (Page)
08. Pinball Dreams (Gustafsson)
09. Disposable Hero (Hoekman & Holt)
10. The Chaos Engine (Joseph)
11. Agony (Wright)
12. Death Mask "Something Evil" (Owens)
13. Defender of the Crown (Cuomo)
14. Lotus 3: The Ultimate Challenge (Phelan)
15. The Plague (Klaren)
16. Alien Breed (Brimble)
17. Aquaventura (Wright)
18. Ambermoon (Steinwachs)

CD2:
01. Wings of Death (Hippel)
02. No Second Prize (Steinwachs)
03. Speedball 2 "Brutal Deluxe" (Nation 12)
04. Brat (Lynne)
05. Amberstar (Hippel)
06. Shadow of the Beast 2 (Wright)
07. Uridium 2 (Page)
08. Cardiaxx (Simmonds)
09. Pinball Fantasies (Gustafsson)
10. Elfmania (Eeben)
11. Overdrive (Brimble)
12. Ork (Bartlett)
13. Leander (Simmonds)
14. Obsession "Desert Run" (Almered)
15. Katakis (Zendeh)
16. Super Cars 2 (Leitch)
17. Trolls (Nixon)

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