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120 - Making of... Amondó! (.de)

on Mon 26 May 2008 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

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Eine verrückte, klaustrophobische Welt zwischen Geist und Realität – ein gesichtsloser, verhüllter Protagonist versucht zu fliehen, verfolgt von bedrohlichen Versen aus einem allgegenwärtigen TV-Gerät. »Amondó« ist eine ungarische Musikvideo-Kooperation zwischen AENIMA CGS und der Underground-Punk-Band Hiperkarma. Seit dem Video-Release auf der letztjährigen Evoke-Party in Köln genießt Amondó nicht nur wohlverdienten Respekt, sondern kassiert auch einen Award nach dem anderen. Wir haben einen Blick unter die Kluft geworfen.


Bericht von Alexander Scholz,
Übersetzung von Paul Kautz,

Erstveröffentlichung (in Englisch) in SCEEN Issue 1.


Aufwändige Charaktermodellierung, düstere Kulisse
und ein harter Sound zeichnen Amondó aus.



Wer leidet am Verfolgungswahn?
AENIMA CGS besteht aus drei Brüdern, die sich selbst »Ady«, »Chmtx« und »Dani« nennen und in Eger wohnen, einer kleinen Stadt im Nordosten Ungarns, ungefähr 150km von der Hauptstadt Budapest entfernt. Neben ihrer Projektarbeit sind die drei u.a. als freischaffende Motion Designer für ungarische Fernsehsender beschäftigt. Zu den in der Freizeit produzierten 3D-Filmen befragt, meint Dani »Wir machen nur die Sachen, die wir wirklich mögen«.

»Die Zusammenarbeit mit Hiperkarma war gleichzeitig witzig und interessant« fährt er fort. »Der Sänger konnte diese wirklich komplizierten ungarischen Texte problemlos zwei Mal hintereinander wiedergeben, ohne einen Fehler zu machen«. Was bedeuten die Texte? »Sie sind schwer zu übersetzen, da ungarisch eine ziemlich komplexe Sprache ist« meint Dani. »Tatsächlich verstehen wir selbst nicht alles« fügt er grinsend hinzu. Der ehemalige Manager der Band kam auf AENIMA zu, um ein animiertes Video für einen Song der Band zu produzieren - er hatte den Clip »Tension« gesehen, der auf der Budapester Flag Party den ersten Preis gewann. Dieses Video nutzte viele Elemente und Stilformen, die später in »Amondó perfektioniert werden sollten. »Der Manager meinte prinzipiell, dass wir das Video wie tension machen sollten  also haben wir das gemacht« erinnert sich Dani.

Es dauerte volle zwei Monate, bis das Projekt abgeschlossen war. Obwohl es etwas Taschengeld für die Arbeit gab, fühlte sich »Amondó von Anfang an wie ein Low-Budget-Independent-Projekt an, das man für Freunde macht. Das hatte natürlich auch Vorteile  so gab es keine kreativen Grenzen oder Richtlinien. »Es war von Anfang an klar, dass sie die Musiker und wir die Filmemacher waren  so hatten wir ihr vollstes Vertrauen. So etwas gibt es nicht sehr oft.«. Eine Arbeitsphilosophie, die sich auszahlte: Hiperkarma war von der Arbeit völlig begeistert. »Ich bin sehr zufrieden mit dem Endergebnis. Ich würde nichts ändern, selbst heute nicht.« meint Dani dazu. »Amondó basiert auf 3DStudio Max, Photoshop, After Effects, Premiere und Soundforge (die Tools kamen allesamt auf Mittelklasse-PCs zum Einsatz), sowie einigen Plug-Ins hier und da.



Was »Amondó so einzigartig macht, ist die Kameraarbeit  das Spiel mit Stilelementen, wie in lebendigem Analogfilm. Verwackelte Bilder, ruhelose Kamerafahrten und überbelichtete Handgerätaufnahmen, unterstützt von rostigen, authentischen Texturen, die Dani auf den Straßen »gesammelt« hat. Für die realistische Animation der verhüllten Figur, der Hauptattraktion des Videos, nutzte AENIMA kommerzielles Motion Capturing. »Wir haben ganz gute Kontakte zu einem professionellen MoCap-Studio hier in Ungarn« erklärt Dani. Kein Widerspruch, wenn man sich das Endergebnis

Zur Frage, wer was gemacht hat meint Dani: »Der größte Teil von »Amondó ist mein Werk. Während Adam die Figur entworfen hat, kümmerte ich mich um die Sets, die Beleuchtung und alles andere. Die Sets haben tatsächlich die meiste Zeit in Anspruch genommen«. Normalerweise werden vor der Produktion viele Konzeptzeichnungen und Szenenplanungen entwickelt, nicht aber hier. »Ich brauche keine Storyboards, Screenplays oder ausgefeilte Skizzen. Ich habe mehr oder weniger mit dem Start des Films angefangen und ihn chronologisch weiterentwickelt«. Warum? »Weil ich sowieso schon alles im Kopf hatte. Und immer noch habe.«

AENIMA verfügt mittlerweile über ein beeindruckendes Portfolio an animierten Filmen, und hat genug Erfahrung, um sich mit professionellen Studios zu messen. Interessanterweise scheren sich die Brüder aber nicht darum, an internationalen Filmfestivals teilzunehmen – stattdessen veröffentlichen sie ihre Werke lieber auf Demoparties. »Amondó, das außerhalb von Szeneevents wie der Evoke 04 oder der Breakpoint 05 kaum irgendwo gezeigt wird, ist da keine Ausnahme. »Wir fühlen uns einfach viel mehr wie Szener als wie kommerzielle 3D-Animatoren« erklärt Dani. Um diesem Credo treu zu bleiben, haben AENIMA nicht vergessen, ein paar animierte Factsheets in »Amondó zu packen, die genutzte (bzw. nicht genutzte) technische Tricks erklären, bevor die eigentliche »Demo« startet – eine Verbeugung vor cleveren Hardwaretricks in der Szene.

Nichtsdestotrotz wirken die ausschließlich auf 3D-Animation spezialisierten Designer in der auf Code-Optimierung, timingkritische Operationen und Echtzeit-Grafik fixierten Demowelt etwas fremd – und dennoch könnten sie den Abwechslungsreichtum der Subkultur kaum besser repräsentieren. Durch das breite Angebot an Wettbewerben und Kategorien kann praktisch jeder Beitrag irgendwo eingeordnet werden – AENIMAs Filme sind da keine Ausnahme. Die Filme, die Highlights jeder Animations-Competitions (der »Wild«-Demos), bringen ihren Erschaffern Preise, Ruhm und Fans.

Apropos Preise: AENIMA hat die Evoke zwei Jahre hintereinander gewonnen und den Scene.org-Award 2004 in der Kategorie »Best Direction« gewonnen – was steht als nächstes an? Nicht nur 3D-Animation, wie wir herausfanden: Die Jungs haben erst vor kurzem ein nicht-kommerzielles Internet-Radio gestartet, das von Künstlern, Bands und DJs unterstützt wird, außerdem wurde die AENIMA-Website kürzlich komplett neu designt. Aber natürlich ist auch ein neuer Film in Arbeit. Ein richtig großer: »Wir arbeiten an einer 3D-Animation in Spielfilmlänge, die das Leben in einem Utopia aus einer sehr europäischen Perspektive zeigt. Der Film richtet sich gegen Faschisten, Globalisierung, Massenmedien und vieles, vieles mehr. Betrachtet ihn als Tragikomödie.« gibt Dani erste Details preis. Einen ersten Trailer soll es in Kürze geben. Höchstwahrscheinlich auf einer Demoparty ganz in eurer Nähe.

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