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114 - Oskar Fischinger: Inspirationsquell der Demoszene? (.de)

on Wed 28 May 2008 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

comments: 2 hits: 2404

Wenn in heutigen Szenedemos kunstvolle Objekte passend zur Musik über den Bildschirm gleiten, würde man gerne wissen, woher die Macher ihre Ideen beziehen. Oskar Fischinger, einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Avantgardefilms der 20er Jahre, könnte ein mögliches Vorbild sein.


Oskar Fischinger gilt als Visionär des modernen, abstrakten Films. Der am 22. Juni des Jahres 1900 in Gelnhausen bei Frankfurt geborene Künstler und Filmemacher war mit seinen Ideen und Projekten der damaligen Zeit weit voraus, erlangte jedoch, wie so viele andere unterschätze Künstler, erst nach seinem Tod die nötige Anerkennung.

Knipsender Knirps
Als Sohn zweier Geschäftstüchtiger Eltern - sie besaßen sowohl eine Gastwirtschaft, als auch eine Drogerie - kam er schon früh mit der Welt der Fotografie in Berührung. Zur damaligen Zeit wurden Foto-Filme noch in der Drogerie entwickelt, was seine Leidenschaft für kunstvolle Schnappschüsse erklärt. Trotzdem wollte er nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern begann zuerst mit einer Lehre zum Orgelbauer, die er jedoch nicht abschloss. Erst als er 1916 nach Frankfurt zog und eine Ausbildung zum Technischen Zeichner anfing, nahm sein Schicksal den vorherbestimmten Lauf. Er schloss sein Lehrjahre mit einem Studium zum Ingenieur ab, weshalb er sich von vielen anderen bekannten Filmemacher unterscheidet. Denn in erster Linie ist Fischinger Techniker. Und diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch seine filmischen Werke und späteren Entwicklungen.

Als die Bilder laufen lernten
Für seine Zelluloidprojekte verwendete der gelernte Maschinenbautechniker meist geometrische Figuren und verschiedenste Farbspielereien. Realisiert hat er die, für die damalige Zeit, imposanten Effektorgien mithilfe von bunten Wachsobjekten, die mittels einer von ihm entwickelten Schneidemaschine geteilt wurden. Die daraus entstandenen neuen Oberflächenformen wurden als Einzelbilder fotografiert und letztendlich zu einem kunstvollen Film zusammengefügt. Diese Werke hatten durch die abenteuerlich anmutende Form- und Farbgebung eine wahrlich psychedelische Ausstrahlung. Ein weiteres Indiz dafür, dass Fischinger mit seiner Arbeit um Jahrzehnte voraus war. Denn in der Medienwelt tauchten solch meditative und psychedelische Einflüsse erst ab Mitte der Sechziger Jahre auf.

Bei seinen Film „Seelische Konstruktionen" griff er auf eine andere Technik zurück. Auf einer von unten beleuchteten Milchglasscheibe brachte er Figuren aus Kaolin, einem Gemisch aus Ton und Wachs, auf. Diese filmte er senkrecht von oben ab, weshalb sie wie schwarze Silhouetten wirkten. Das fertige Werk erinnerte deshalb an einen Scherenschnittfilm.

Klangvolle Szenen
Die Musik nahm schon immer einen wichtigen Platz in Fischingers Leben ein. Somit verwundert es nicht, dass es sein größtes Anliegen war, den Ton synchron zu den gezeigten Elementen ablaufen zu lassen. Wir kennen diese Perfektion nicht nur aus der Welt des Werbefernsehens, sondern vor allem durch die zahlreichen Szenedemos. Deshalb schuf er von 1928 bis 1932 einige Studien, bei denen er den Rhythmus der Klänge in seinen typischen ausgefallenen Stil umsetzte. Zu dieser Zeit war der Tonfilm noch nicht erfunden, weshalb er andere Wege finden musste, um die Musik synchron zum gezeigten Bild ablaufen zu lassen. Aus diesem Grund unterteilte er eine Schallplatte in verschiedene Segmente, die zusammen eine Taktlänge ergaben. Zusammen mit der Drehgeschwindigkeit der Platte konnte er bis auf den Bruchteil einer Sekunde genau berechnen, wie lange ein solcher Takt dauert. Nun nahm er die Anzahl der Einzelbilder, die pro Sekunde gezeigt werden mussten und konnte somit jede Szene passend zur Musik gestalten. Das Problem war gelöst. Die Zuschauer waren verblüfft wie harmonisch die Bildfolgen von dazu passender Musik begleitet wurden.


Szenen aus "Komposition in Blau", Fischingers Meisterwerk von 1935.


Bunte Kunst
Mit der Einführung des Tonfilms, und wenig später durch die Entdeckung des Farbfilms, änderte sich seine Arbeitsweise ein wenig. Plötzlich standen auch einem Meister der Technik wie Oskar Fischinger, neue Wege zur perfekten Visualisierung seiner Visionen offen. Er schuf zum ersten Mal einen Film, der die Technik zur Animation unterschiedlicher Körper verwendete. Wenn man sich sein im Jahre 1935 vollendetes Werk Komposition in Blau näher ansieht, lässt sich deshalb schnell ein Bezug zur heutigen Demoszene erkennen. Farbverläufe tauchen auf, die an die gegen Ende der 80er in Computer-Demonstrationen stark aufkommenden Plasma-Effekte erinnern. Würfel und Röhren schieben sich durch das Bild und legen einen Vergleich zu beliebten Vektorspielereien nahe. Der Glanz und die Leuchtkraft der bewegten Bilder und die bis auf den letzten Takt perfekt angepasste Orchestermusik elektrisierten die Massen.

Doch beging Fischinger mit diesem Film einen entscheidenden Fehler. Er ließ ihn ohne deutsche Genehmigung auf einem Festival in Venedig vorführen – und gewann den Großen Preis. Da solch abstrakte Kunst im damaligen Nazi-Deutschland in der Regel verboten wurde, packte er seine Sachen und wanderte in die USA aus.

Sein langjähriger Freund und treuer Begleiter William Moritz über diesen tragischen Vorfall: "Mit Komposition in Blau bewegte sich Fischinger auf dünnem Eis - politisch gesehen. Seine neue Arbeit war nicht, wie damals im Filmgeschäft üblich, normal, vielmehr handelte es sich um abstrakte Kunst. Als Fischinger 1935 dazu eingeladen wurde, den Film beim Festival in Venedig zu zeigen, tat er dies in der Hoffnung auf Angebote aus dem Ausland ohne das benötigte Exportvisum! Zu seiner Überraschung gewann er den Wettbewerb, zog zugleich aber auch den Zorn der deutschen Regierung auf sich."

Das Ende aller Träume
Neues Land, neues Glück? Nicht für Fischinger. In Amerika fühlte er sich in seiner künstlerischen Freiheit stark eingeschränkt. Die großen Filmstudios nahmen fast immer Änderungen an seinen neuen Werken vor, um sie für das Publikum leichter verständlich zu machen. Fischinger war darüber überaus erbost, weshalb er weder bei Paramount, noch bei MGM oder Walt Disney glücklich wurde.

Seine Sturheit erschwerte es ihm in den darauf folgenden Jahren Geldgeber für weitere große Projekte zu finden. So schuf er 1947 mit den letzten Ersparnissen auch seinen letzten Film: Motion Painting Nr. 1. Realisiert wurde das, heutzutage als Meisterwerk deklarierte Epos, mit Ölfarben, die er in kunstvoller Art auf einer Glasplatte auftrug. Bis zu seinem Tod im Jahre 1967 war es ihm nicht mehr vergönnt, weitere bewegte Bilder zu erstellen. Einzig als Maler konnte er seine Kreativität noch etwas ausleben.


Auch Fischingers Gemälde gelten mittlerweile als moderne Kunstwerke.


Stoff für die Sinne
Oskar Fischinger war ein verkanntes Genie, der es bereits lange Zeit vor dem Aufkommen der Demoszene geschafft hat, visuell beeindruckende Bildfolgen in perfekten Einklang mit der Musik zu bringen. Heutzutage werden seine Werke sogar als Wegbegleiter des Trickfilms angesehen. Kenner der Materie meinen außerdem, dass er mit seiner Arbeit wesentlichen Einfluss auf die nach seinem Tod in Mode gekommenen Musikclips und Experimentalfilme genommen hat. Wer weiß, was heutzutage über unsere Bildschirme flimmern würde, hätte Fischinger nicht diese Pionierarbeit geleistet. Ausschnitte seiner Arbeit finden sich auf Re-Voir.com. Empfehlenswerte Literatur findet Ihr, leider nur in englischer Sprache, in Optical Poetry: The Life and Work of Oskar Fischinger (ISBN: 0861966341), das von seinem langjährigen treuen Freund und Begleiter William Moritz verfasst wurde.

Comments

Ghandy | 2009.04.01
Comments: 100

Registered: 2006.03.24

Der Gute war seiner Zeit voraus!

AMItac | 2009.04.01
Comments: 59

Registered: 2006.05.27

man kennt seine Werke wenn man sich näher mit dem Thema Ton und Bild beschäftigt hat, soweit ich mich erinnere wurden seine Werke sogar mal auf einer Breakpoint vorgestellt. In youtube kann man mit etwas suchen jedenfalls Fischinger´s Werke sehen.


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