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269 - X 2014 (.de)

on Wed 29 Oct 2014 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

comments: 0 hits: 4369

X 2014 - PC-Demos waren gestern. Heute ist C64!

Ich bin müde. Fühle mich irgendwie leer. Zu intensiv war das, was ich in der letzten Stunde erlebt habe. Seit langem habe ich keine solche Fassungslosigkeit mehr erlebt. Zuletzt vielleicht 2010, als mit Agenda, Happiness, Rove, Magellan und YouShould ein ganzer Stapel an legendären PC-Demos auf mich eindonnerte. Doch Nichts, was ich in diesem Jahr an Szenedemos unter Windows oder im Browser gestartet habe, hat mich so nachhaltig beeindruckt wie die bestplatzierten Demos von der X 2014, einer Demo-Party in den Niederlanden, die vor wenigen Tagen stattgefunden hat. In Echzteit berechnete Effekte habe ich gesehen, die mir den Atem raubten, die ich niemals für möglich gehalten habe. Demo-Design von allerfeinster Güte und Kreativität. Pixelgrafiken, eine schöner als die andere und ein Fünf-Sterne-Genuss für meine Augen. Und bei den Soundtracks, die ich gehört habe, weiß ich schon jetzt, dass diese morgen früh im Auto laufen werden und sich meine Kinder auf der Fahrt zur Schule und in den Kindergarten meiner Euphorie werden beugen müssen. Donikkl? Volker Rosin? Könnt ihr vergessen! Dane und Fanta werden rauf und runter dudeln. Doch das gerade erlebte läuft nicht auf einem modernen, top ausgestatteten PC. Die hier niedergeschriebenen Superlativen beziehen sich auf brandneue Szenedemos für den Commodore 64!


Fast zu schön um wahr zu sein - Pixelpracht aus der C64-Demo Comaland.


Bereits vor einigen Monaten kam ich wegen einer 8bit-Demo ins Schwärmen. Auf der Evoke 2014 präsentierte die deutsche Demogruppe Bauknecht mit Rocket Science ein technisch unglaubliches Werk für den Commodore Plus/4, den etwas stärkeren Bruder des alten Brotkastens. Mit den Top4-Demos von der X 2014, einer Veranstaltung auf der ausschließlich Produktionen für den Commodore 64 veröffentlicht werden, wird dieses Erlebnis jedoch in den Schatten gestellt. Wo die Bauknecht-Demo noch bei Design und Musik verbesserungswürdig war, zeigt etwa Comaland von Censor Design und Oxyron, Siegerdemo des Wettbewerbs, keinerlei Schwächen.

Kunstvolle Pixel-Artworks gehören in der C64-Demoszene zum Alltag. Nirgendwo sonst, so scheint es, werden mit so viel Hingabe und Leidenschaft bunte Punkte gesetzt, die sich letztendlich zu kunstvollen Bildern formen. Niedrige Auflösung und eine reduzierte Farbpalette sind für Künstler wie Archmage, Dane, v3to, DeeKay oder Pal, um nur einige zu nennen, kein Hinderniss. Was in Comaland jedoch an Bilderpracht aufgefahren wird, sucht seinesgleichen. Allein das mehrere Bildschirme füllende Logo der beiden beteiligten Gruppen gehört in jeder modernen Kunstgalerie ausgestellt und ist Sinnbild für die besagte Leidenschaft. Doch Comaland ist nicht nur Pixelgrafik. Comaland kann mehr. Spektakuläre 3D-Szenen, großformatige Scroller, Rasterbars, tanzende Männchen und vieles mehr, was hervorragend mit den herrlichen SID-Melodien harmoniert. Es ist geradezu eine Wohltat und eine willkommene Abwechslung, mal nicht dem gängigen Big-Beat-Trend lauschen zu müssen.

Mit einer unglaublichen Laufzeit von satten 20 Minuten stellt Comaland so ziemlich alles in den Schatten, was die PC-Demoszene dieses Jahr produziert hat. Auch dies ist ein Beweis dafür, welch ungeheurer Aufwand in diesem Werk steckt - einem Hobbyprojekt wohlgemerkt. Etwas, das Leute aus Überzeugung und Liebe erschaffen. Wobei diese Zeilen hier kein Abgesang auf die PC-Demoszene sein sollen. Auch hier wird nach wie vor großartige Arbeit abgeliefert. Doch dieses Jahr sind für die echten Überraschungen eben die Oldskooler verantwortlich.


Comaland bietet 20 Minuten Design, Effekte, Grafik und Musik vom Feinsten.


Eine dieser Überraschungen ist Uncensored, zweitplatzierte Demo der Gruppe Booze Design. Sie steht Comaland in Nichts nach, hat vielleicht sogar den (noch) besseren Soundtrack zu bieten und läuft ebenfalls stattliche 13 Minuten. Langeweile tritt auch hier zu keiner Zeit auf, denn Abwechslungsreichtum ist ein wichtiger Aspekt. Rotierende Raster, ein Chaos-Zoomer und dieses verdammt smoothe Design zählen zu den alles überragenden Momenten der überragenden Momente in Uncensored. Oh Gott, ist das schön!

Das magische Dreieck Fairlight, Offence und Prosonix bringt, ebenso wie die zuvor vertretenen Gruppen, jedes Jahr eine fantastische Demo auf den "Markt". Mit RGB haben sie diese Tradition ehrwürdig fortgesetzt. Hauptthema des Spektakels: Scroller! Scroller in allen Variationen. Selten zuvor hat man so viel Abwechslungsreichtum und Einfälle bei der Gestaltung der laufenden Schriftfolgen gesehen. Mal drehen sie sich, dann werden sie gestreckt, verbogen, in die Länge gezogen oder bewegen sich wie der rasende Igel Sonic durch einen Looping. Dabei sind gleich eine ganze Reihe technischer Finessen zu entdecken, die nicht nur von großartigen Bilder umrahmt werden, sondern bei denen auch akustisch viel Ohrwurmqualität geboten wird. Dauer der Show: 18 Minuten!

Mit Disco Apocalypso kamen Shape Design auf den undankbaren vierten Rang. Grämen müssen sie sich dafür nicht, denn auch hier steckt jede Menge audiovisueller Qualität drin, wobei die technischen Spielereien in den anderen Produktionen imposanter ausfielen. Design, Grafik und Musik sind aber auch hier auf höchstem Niveau und unterhalten prächtig. Mit nur sieben Minuten Spielzeit fällt der Besuch in der Disco geradezu kurz aus, schlägt die meisten anderen Szenewerke aber immer noch deutlich.

Doch nun muss ich aufhören. Ich habe genug gehuldigt, muss abschließend allen X'lern und den Kreativlingen, die solch wundervollen Werke austüfteln, meinen tiefsten Dank aussprechen. Es sind Leute wie ihr die dafür sorgen, dass diese Begeisterung für diese besondere Art der Computerkunst, für die Demoszene, weder bei mir, noch bei vielen anderen Fans jemals erlischt. Mit euren "Taten" inspiriert ihr uns alle. Und das ist gut so! Jetzt muss ich noch schnell die Musik für die morgige Autofahrt vorbereiten. Es ist wie damals mit 18 Jahren, nur dass Chris Hülsbeck, Lizardking, Jester oder Jogeir von Dane und Fanta abgelöst werden und das Medium kein Kassettenband, sondern ein USB-Stick ist. Manche Dinge ändern sich eben nie.


Diese Musik! Dieser Zoomer! Dieses Uncensored!


Fantastisches Scroller-Spektakel: RGB von Fairlight, Offence und Prosonix.


Musik, Grafik und Design - alles Gut in der Disco Apocalypso.


(Bobic, 30.10.2014)

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