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274 - Payback 2015 - Neues aus dem Experimentierbaukasten (.de)

on Sat 07 Feb 2015 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

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Niemand hat gesagt, es wäre einfach in die Welt der Demoszene abzutauchen. Niemand hat euch gezwungen, dies zu tun! Wenn ihr meint, dass eure Sinne an dieser Stelle ein paar Streicheleinheiten verpasst bekommen, dann müsst ihr auf ein Konzert von Onerepublic gehen. Hier geht es hart zur Sache. Experimentelle Computerkunst steht auf dem Programm. Verstörende Bilder, krasse Sounds, chaotische Anordnung der Bildpunkte auf dem Monitor. Nichts, was man normalerweise dem lieben Nachbarsjungen zeigen würde. Von daher lest nur weiter, wenn ihr euch auch abseits des Mainstream-Pfades gut aufgehoben fühlt. Denn die Demos, die auf der finnischen Demo-Party Payback 2015 gezeigt wurden, sind überwiegend dem alternativen Effektlager entsprungen. Hier wartet ihr verzweifelt auf ASD-Demokunst oder den lieblichen Farbrausch. Weiterlesen und -schauen auf eigene Gefahr! (Psssst: Ein paar Weichspüler-Demos haben sich dann doch noch in den Artikel gemogelt!)



Quadtrip Planet Reconfigurator / Quadtrip (3rd at Payback 2015)
Die Neugier war geweckt, als Visy, Coder bei Quadtrip, im 'Random work in progress shots'-Thread auf Pouet ein paar leckere Screenshots einer Voxel-Engine zeigte, an welcher er gerade arbeitete. Das Resultat liegt nun in Form des Quadtrip Planet Reconfigurators vor. Und ganz, wie man es von Visy erwarten konnte, besteht dieser aus wirklich hartem Tobak. Experimentelle Demokunst, bestehend aus verstörendem Sound, verwaschener Bilder, einer Menge durchgerührter Szenen. Das schreit nach Hass, nach Ablehnung, fasziniert aber dennoch so sehr, dass man es auf der anderen Seite auch wieder mag. Genau das ist ja das Besondere an diesen alternativen Werken. Denn so schräg sie auch sind, wer ein bisschen 'open minded' ist, findet's garantiert zum Niederknien!



Engine / Epoch (5th at Payback 2015)
Aus einem einzigen kleinen Metallteil, einer Art Hülse, besteht die Engine von Epoch. Dennoch wirkt es gigantisch, kraftvoll und mächtig. Denn es ist schier unglaublich, auf welch unterschiedliche Art und Weise diese kleine Bauteil deformiert wird. Unzählige, spektakuläre Shader-Effekte malträtieren, zerlegen oder verbiegen es. Wäre dieses Engine-Teil ein Lebewesen, würde man von grausamer Folter sprechen. So erleben wir ein unglaubliches Schauspiel, wahnwitzige Programmierkunst, auf die man sich allerdings einlassen muss. Wer schrille Töne und flackernde Bilder nicht abkann, darf hier gar nicht erst auf Start drücken!



Payback / Jugz (1st at Payback 2015)
Herzlich Willkommen im Alphabet des Drogenkonsums. Jugi Kaartinen, Lichtgestalt der Demoszene und beteiligt an vielen Meisterwerken der Gruppe Complex (u.a. Dope), lehrt uns in diesem abstrakten Partikel- und Vektorenspiel die Benennung der sinnesverändernden Substanzen in Wort und Schrift. Schon das minimale Konzept passt zum Thema, wird aufgrund der höchst monotonen Rave-Musik aber noch verstärkt. Leckere Effekte wie der Partikel aufwirbelnde Tänzer strecken dabei ihre Finger der Faszination nach dem Zuschauer aus, holen ihn immer wieder ins Echtzeit-Boot, stoßen ihn aber genauso schnell wieder über Bord. Denn Payback ist keine Schönheit. Es hat lichte Momente, es hat Atmosphäre und verdammt viel Stil, ist aber irgendwie abstrus, verwirrend und eben zu monoton um die Gilde des Mainstreams für sich zu gewinnen. Diese Aussagen treffen auf genau vier der insgesamt fünf Minuten dauernden Show zu. Was zwischen Minute 3 und 4 passiert, verdient jedoch eine gänzlich andere Beschreibung. Hier explodiert Jugi, hier holt er all das aus sich heraus, wofür er zu Recht den Legendenstatus erhalten hat. Farben kommen ins Spiel, explodieren um den Tänzer herum und hüllen ihn in ein Effektgewitter aus Linien und Partikel. Zugleich wird der stumpfsinnige Beat aus dem Soundtrack gesaugt. Melodische, sphärische Klänge werden eingewechselt und lassen diese Demo zum wundervollen Erlebnis und besten Unity-Demo bislang werden. Am Ende bleiben wir zurück. Verwirrt, verstört, beeindruckt und glücklich. Wohin soll die Reise gehen? Wir können es nicht sagen, wollen nicht entscheiden ob der Daumen rauf oder runter zeigen soll. Es liegt in euren Händen.



Greifswald Reaction / The Royal Elite Ninjas Inc. (8th at Payback 2015)
Mal abgesehen von einigen schönen Einzelaufnahmen erinnert Greifswald Reaction an die frühen PC-Demos der Gruppe Adapt. Effektvielfalt wird groß geschrieben, Harmonie und irgendein Zeichen der Zusammengehörigkeit ist jedoch ein Fremdwort. Während die klassichen Einstellungen, bei denen beispielsweise ein Würfel oder rotierenden Ringe zu sehen sind, durchaus zu gefallen wissen, gibt es auch hässliche Effekte aus dem Experimentenbaukasten. Dann durchbrechen den dunklen Farbstrich grelle Busfahrten und wirre Objektstrudel, die von der Machart her an die Negativaufnahme eines Bildes erinnern. Ja, hier wird uns weder Fisch noch Fleisch serviert. Dennoch möchten wir aufgrund des ein oder anderen Effektlichtblickes immer sehen, was als Nächstes kommt.



Computer Graphics Demonstration Tape / Hackers (2nd at Payback 2015)
Schon einmal eine ganze Tüte Gummibärchen auf einmal gegessen? Dann wisst ihr, was euch biem Computer Graphics Demonstration Tape der Gruppe Hackers erwartet. Hier steckt so viel Süßkram drin, dass einem fast schon schlecht wird. Ans Aufhören ist dennoch nicht zu denken. Die Hackers versetzen uns in das Jahr 1985, wo VHS-Videokassetten noch das Nonplusultra waren und Synthesizer-Mucke TV-Serien und die Charts erorberten. Knallbunte Raytracing-Orgien werfen sie auf ihren Röhrenbildschirm, dazu jede Menge Werbepropaganda. Das ist natürlich gewollt, sieht gut aus und regt zum Schmunzeln an. Ein klein wenig zu viel Kitsch ist aber dennoch vorhanden, weshalb man die Reise in die Vergangenheit zwar genießt, aber nicht dauerhaft dort verbleiben möchte.



Standard Orbit / Mirage & Stroboholics (4th at Payback 2015)
Flash Gordon hätte seine helle Freude an Standard Orbit. Dieses Teil ist so trashig, dass es vermutlich innerhalb kurzer Zeit Kultstatus erreichen könnte. Der Space-Trip von Mirage und Stroboholics orientiert sich an den billig wirkenden Fernsehserien aus den 1960er Jahren. Alles wirkt irgendwie kitschig, ist knallbunt angestrichen und im typischen Retro-Design der damaligen Zeit gehalten (wir sagen nur: Fliegende Untertasse!). Jedenfalls fliegt hier eine Rakete zu treibenden Goa-Tracnce-Beats ins All, beleuchtet von jeder Menge Lensflares, Glow und schimmerndem Metall. Zu entdecken gibt es ein paar spektakuläre Effekte wie etwa beim Schwarzen Loch zu sehen, aber auch viel Billigkram. Denn wie schon in der Readme-Datei zu lesen ist, könnte Standard Orbit auch als 64k Intro durchgehen, ist aber eine ausgewachsene Demo von etwas über 90 MB Größe. Da hätten Texturen und Effekte ruhig etwas detailreicher ausfallen können. Spaß macht diese Reise aber allemal, zumal Flash-Fans ruhig noch ein paar Wertungspunkte addieren dürfen.



Are we dead yet? / Dekadence (Amiga AGA, 1st at Payback 2015)
Are we dead yet? ist definitiv nicht die beste Demo, die ein Standard-AGA-Amiga je gesehen hat. Dank hübscher Grafiken, guter Musik und einigen Botschaften, die das Herz berühren, hat es allerings eine wunderbare Seele. Was die Effekte angeht, so hat Britelite schon bessere Kost abgeliefert.

(Bobic, 02.02.2015)

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