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309 - Taiga - Kubbis neue Zauberwelt der elektronischen Klangkunst (.de)

on Tue 13 Mar 2018 by Bobic author listemail the content item print the content item create pdf file of the content item

in .deMOSZENE Artikel

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Im Bauch dieses Gefühl, das Herz dabei fest umklammert. Der norwegische Elektronikmusiker Kubbi wiederholt mit seinem neuen Album Taiga das, was der überragende Vorgänger Ember bereits geschafft hat: Wir werden beim Hören von unseren Gefühlen überwältigt, tauchen ein in eine traumhafte Welt die gefüllt ist mit berauschenden Klängen, atmosphärischen Melodien und manchmal sogar unerwartete Erlebnisse bietet. Es ist ein Abenteuer, ein wahres Erlebnis, Teil der Klangwelt von Taiga zu sein.

Drei lange Jahre hat uns Vegard "Kubbi" Kummen zappeln lassen. Seit dem 10. März spricht er endlich wieder zu uns. In Form von sphärischen Klängen und bezaubernden Melodien. An diesem Tag erschien Taiga, sein neuestes und wohl auch ambitioniertestes Werk bislang. Wegweisend für ihn selbst, sowie seine zahlreichen Fans weltweit. Mit dem 2015er-Release Ember hat er einen Meilenstein der elektronischen Klangkunst geschaffen. Es war vollgestopft mit Ohrwürmern, mit diesen fantastischen Arrangements die für ihn so typisch sind. Sanft und einfühlsam zu Beginn, aufbrausend, raffiniert und episch mit steigender Laufzeit. Stets mit dem perfekten Gespür versehen um alte Chiptune-Sounds mit moderner elektronischen Akustik zu mischen. Stücke wie "Pathfinder", "Restoration" oder das auch in der Web-Music-Disk Analysis verwendete "Overworld" schweißten ihn und seine Fans zusammen, schürten aber zugleich die Erwartungshaltung auf das Nachfolgeprodukt. Wohl mit ein Grund, warum sich Kubbi so lange Zeit für Taiga ließ. Nun also fühlt er sich bereit für den Schritt in sein nächstes Abenteuer.

Mit zwei Vorabveröffentlichungen, "Spirtdancer" und "Antlers", hat er uns im Januar bereits zwei Appetitanreger vorgeworfen. Beides Tracks, die auf Taiga enthalten sind. Die klingen erstmal genau so, wie man es von Kubbi gewöhnt ist. Chippige Hauptinstrumente schwingen sich in herrlich melodische Regionen auf, während ein komplexer Teppich an begleitenden Sequenzen, technisch großartig instrumentiert, immer wieder versucht dem Lead-Organ den Rang abzulaufen. Dabei überraschen diese Songs permanent mit frischen Momenten und brechen aus dem, in der Musikwelt eigentlich alltäglichen Regelwerk aus Chorus folgt auf Strophe aus. Somit wird jedes dieser Stücke zu einer nie enden scheinenden Hörerfahrung, bei der man selbst nach einem Dutzend Mal Anhören neue Seiten entdeckt. Einfach großartig, aber eben genau das, was man von Kubbi kennt. Zumindest dann, wenn diese Stücke aus dem Konsens gerissen sind und nicht in der vorherbestimmten Reihenfolge mit den anderen sieben Tracks auf Taiga gehört werden. Denn nur so versteht man, in welch faszinierende Traumwelt uns Kubbi entführen möchte. Dann erst ergibt alles einen Sinn. Stücke gehen ineinander über, Erlebnisse manifestieren sich in musikalischer Form und was so vertraut und gleich klingt, durchbricht wohlwollend die Geschichte, die in den anderen Kapiteln erzählt wird.



Ruhig, atmosphärisch, verträumt. Genau so beginnt besagte Geschichte, die Kubbi als eine Art Traum beschreibt. Der Opener "Retrospect" lullt mit seinen sphärischen Auf und Abs ein, öffnet den Weg in ein malerisches Paradies, durch dessen Tor man mit sanftem Pianospiel und elfengleichen Streicherklängen geleitet wird. Es ist die Art der Instrumentierung die Begehrlichkeiten weckt, die einen fast glauben lassen möchte, die Welt zu riechen und zu fühlen. Genau dieses wunderbare Gefühl setzt sich im nachfolgenden "Wake" fort. In der ersten, recht entspannenden Minute ist man neugierig, saugt das Panorama in sich auf, bevor der Erkundungstrieb geweckt wird. Hier überrascht uns Kubbi zum ersten Mal richtig. Die Musik erhält einen frechen, groovigen Anstrich, wartet mit raffiniert gespielten Drum-Folgen auf und verdeutlicht so die unbändige Freude, die beim Durchstreifen des neuen Landstrichs vorherrscht. Genau so muss sich Link fühlen, wenn er zum ersten Mal in Zelda - Breath of the Wild aus der Höhle marschiert und die weitläufige Landschaft bewundern darf. In diesem Moment lässt "Wake" seinen Groove hinter sich und vollzieht den Wandel zum imposanten Bombast-Soundtrack, ohne dass Gesamtbild und Atmosphäre beeinträchtigt werden.

Mit "Plume" wird der nächste Akt vollzogen. Ein echtes Gute-Laune-Stück das spüren lässt, wie herrlich doch dieser Ausflug in Kubbis einzigartige Traumwelt ist. Hier hört man zum ersten Mal Kubbis beliebte Anleihen an das Genre der Drum 'n' Bass-Musik, was "Plume" zu einem der wuchtigsten Tracks auf Taiga werden lässt. Nun erst kommt das eingangs erwähnte "Spiritdancer". Im Zusammenspiel mit den bisherigen Stücke ist nun ersichtlich, dass man nun an eine geheimnisvolle Stelle in der Welt von Taiga gelangt ist. Auch hier vermittelt die Instrumentierung zuallererst Neugier, bricht dann mit vielen melodischen Bleeps und Kubbis obligatorischer Steel Drum jedoch in eine freudige Richtung. Als ob man einen neuen Gefährten treffen würde.

"Prey", fünfter Track auf diesem Album, ist die nächste dicke Überraschung, schlägt aber ein düsteres Kapitel auf. Erstmals scheinen Schatten aufzuziehen die mit bedrohlicher Ambient-Sound-Kulisse, tiefen Klangfolgen und sogar Ausflügen in das Genre des Dubstep heftigst das Atmosphäre-Barometer in die Höhe treiben. Erst gegen Ende des Stücks wird es ein weniger heller. Denn Kubbi vollzieht auch hier eine Wandlung, ändert Drums und Töne um die Schatten vertreiben zu können. Zeit zum Luftholen bleibt dennoch nicht, da mit "Hunter" das nächste Husarenstück bereits die ersten Noten in die Luft schreibt um den, eigentlich äußerst stimmungsvollen Lärm von "Prey" zu vertreiben. Ganz ruhig und melancholisch geht es hier zu, wobei Kubbi, zum ersten Mal seit seinem ersten großen Album Circuithead, wieder mit Gesang arbeitet. Allerdings singt er nicht selbst, sondern überlässt Andreas W. Røshol das Mikrofon. Mit seiner charismatischen, rauhen Stimme, die ein wenig an Limbic Void erinnert, werden erneut sämtliche Sinne berauscht und das vielleicht intensivste Erlebnis auf dieser musikalischen Reise erreicht.

Als siebter Titel ist nun "Antlers" an der Reihe, das, wie schon zuvor "Spiritdancer", nach den letzten düsteren und schwermütigen Minuten die Lebensfreude zurückholt. Doch erst mit "Resurgence" folgt der endgültige Weg zurück ins Glück. Drei Minuten lang erlebt man den Kampf zurück an die Oberfläche des Lichts, bevor in der letzten Minute der Durchbruch gelingt und pure Glückseligkeit die Luft durchflutet. Krönender Abschluss dieses Abenteuers ist "Cold Snap", Taigas neuntes und letztes Klangerlebnis. Hier wird in über sechs Minuten die Schönheit von Kubbis Wunderwelt noch einmal zusammengefasst. Es ist die Rückkehr der sphärischen Passagen, der Klangfolgen die das Herz umklammern und im Bauch dieses wohlige Prickeln auslösen. Nur um zum Finale noch einmal zu einem opulenten, orchestralen Inferno zu blasen, das uns dem Ende dieses Traums zuführt.

Und nachdem alles vorbei ist sitzen wir da, müssen uns erst einmal sammeln. Wir sind berauscht von dem was wir gehört und erlebt haben. Fassungslos aufgrund der Qualität dieses Albums, dieses Wunderwerks der Musik. Der Drang ist unbändig, sich noch einmal in die Welt von Taiga zu stürzen. Genau jetzt ist uns bewusst, dass Kubbi es erneut geschafft hat. Denn wir haben im Bauch dieses Gefühl, und er hat unser Herz mit seiner Musik fest umklammert. Für immer.



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